Biogasgüllen und Gärrückstände brauchen einen Kalkausgleich!

 

Biogasgüllen und Gärrückstände haben meist einen Eigen-pH-Wert von über 8; dies führt zur  Meinung, dass man sich damit eine Kalkung ersparen kann; dies ist leider nicht richtig:  der hohe zu 100% gelöste Kaliumanteil der Güllen führt durch Verdrängung der gebunden Säuren vom Boden-Sorptionskomplex vor allem auf leichten und mittleren Böden zur Bodenversauerung. Die einwertigen Kationen Kali (K+) und Ammonium (NH4+) und die freigesetzten Säuren (H+) zerstören die Bodenaggregate; der Boden verschlämmt und verkrustet; die Durchlüftung nimmt ab und die (Mikro-) und Oberflächen-Erosion steigt.

Verkrustete, versauerte Bodenkrume durch Biogasgülle

 

Der hohe gelöste Kali- und Ammonstickstoff-Anteil der Güllen behindert weiters die ausgewogene Nährstoffaufnahme von Kalzium (Ca++), Magnesium (Mg++) und Spurenelementen durch die Pflanzen. Daher sollten alle schwach gepufferten Böden auf die Applikation von Biogasgüllen und Gärrückständen mit einer vorher ausgebrachten Ausgleichskalkung mit hochwertigen Mischkalken, am besten mit Mischungen von kohlensauren Magnesiumkalken mit Branntkalk, Gips und Zeolithen (das fertige Mischprodukt ist BokaSan) zur Kalium- und Ammonium-Zwischenpufferung vorbereitet werden.

 Mais mit Biogasgülle gedüngt

pH-Wert 3,5

 

Weiters enthalten Gärrückstände, im Gegensatz zu üblichen Güllen aus der Tierhaltung, kaum mehr langkettige und hochgeladene organische Verbindungen, welche für eine gute Tonflockung und Brückenbildung Voraussetzung sind: in der organischen Substanz der Biogasgüllen sind organische Stoffe weitgehend abgebaut, sodaß diese Eigenschaft größtenteils fehlt. Weiters fehlt den Bodenmikroben bei der organischen Substanz von Biogasgüllen oft auch die Energiekomponente; damit leidet auch die Lebendverbauung und die Humusqualität der Böden. Dazu kommt, dass die Gülle zum Unterschied von Mineraldüngern nicht punktförmig, sondern gleichmäßig verteilt flächig ausgebracht wird und dadurch sofort wirksam wird. Die flächige Verteilung sorgt auch für eine sehr rasche Umsetzung des Ammonstikstoffes zu Nitrat, was zusätzlich versauernd wirkt.