Frühjahrskalkung bringt Krümelstruktur und Hygiene

 

Kalk ist der „Maurer im Boden“!

Was der Frost aufgeschlossen hat (Frostgare), muss mit Kalk stabilisiert werden,

damit es für den Zeitraum wenigstens einer Kulturperiode stabil bleibt.

 

Bodenstruktur ist das optimale Verhältnis zwischen mineralischer Substanz, Luft und Wasser einerseits, andererseits die Stabilität der optimalen Verhältnisse der Komponenten gegen ungünstige Verschiebung (zB. zu wenig Luft).

Speziell im Frühjahr bremst Luftmangel nicht nur die Mineralisation der zugeführten Dünger, sondern führt vor allem zur pH-Wertabsenkung in verkrusteten Böden. Dies reduziert das Wurzelwachstum und damit die Nährstoffverfüg-barkeit bezogen auf den durchwurzelten Bodenhorizont und nicht zuletzt auf tonreichen Böden zur Freisetzung toxisch wirkender Ionen (zB. Aluminium H+-Säuren). Speziell die Winterniederschläge bringen größere Säuremengen auf die Bodenoberfläche (Krume), welche die stabilisierten Bodenaggregate aufweichen und auflösen, so dass die abgelösten Feinteilchen die Bodenporen verstopfen.

Die sauren Schmelzwasser (oft pH-Werte unter 3,5) fördern das Pilzwachstum, so dass speziell die Verpilzung von Wintersaaten, in erster Linie die Gerste, betroffen sind. Die feinen Haarwurzeln am oberen Wurzelhals, welche für die erste Nährstoffversorgung nach dem Winter verantwortlich sind, werden dadurch geschädigt und sterben ab. Die Symptome mit vergilbten Blättern ähneln oft dem Manganmangel bei Weizen und dem Kupfermangel bei Gerste, sind jedoch in vielen Fällen ein Problem der versauerten und verpilzten Krume, bzw. von verdichteten, luftabgeschlossenen Bodenstreifen (zB. Fahrgassen, siehe Abb. 4).

Grundsätzlich sind solche Bodenschäden nur durch längerfristige Kulturmaßnahmen und der gezielten Gesundungskalkung auf Grund einer Bodenanalyse und einer Bodenansprache behebbar.

 

Die Winter- und gezielte Frühjahrskalkung gibt geschickten, engagierten Landwirten jedoch die Möglichkeit für die unmittelbare Folgekultur korrigierend einzugreifen:

  • Kopfkalkung auf Wintersaaten auf gefrorenen Böden, am besten mit mehlfeinen Misch- oder Branntkalken, mit reduzierten Streumengen zwischen 300 und 800 kg/ha bringen eine unmittelbare Reduktion des Pilzwuchses und eine Reduktion der Verkrustung nach Abtrocknung der Krume. Größere Aufwandsmengen sollen wegen der oberflächlichen Vermörtelung bei Misch- und Branntkalken vermieden werden, weil eine mechanische Einbringung in tiefere Bodenhorizonte nicht bzw. nur bedingt möglich ist (Striegel) und somit der Kalk nur durch die Niederschläge in die oberste Krume eingewaschen wird bzw. werden kann, somit auch nur 5 cm und nicht für 25 cm Bodenhorizont berechnet wird.
  • Die Vorsaatkalkung vorm Maisanbau sollte entweder schon zeitig im Frühjahr (Februar) bzw. unmittelbar vor dem Anbau erfolgen. Da Mais als Kultur kaum pH-(säure) empfindlich ist, dient die Kalkung in erster Linie der Krumenstabilisierung, damit genügend Luft und Sauerstoff zur Mineralisation der nötigen Nährstoffe (oft Phosphatmangel auf Grund des Luftabschlusses) zur Verfügung steht.

Daher sind wieder wasserlösliche Kalke (Misch- und Branntkalk) die einzig richtigen Produkte, wenn die Kalkung bereits im Februar erfolgen kann, so kann die Aufwandsmengenbemessung für einen Bodenhorizont von bis zu 20 cm erfolgen, das sind in Abhängigkeit der Bodenart 1500 bis 2500 kg/ha. Allerdings sollte dieser auch 15 cm eingemischt werden. Erfolgt die Kalkung erst unmittelbar vor dem Maisanbau, genügen in der Regel 800 bis 1400 kg/ha, welcher nur bis max. 5-7 cm in die Krume eingestrichen werden soll, um diese offen zu halten. Tieferes Einarbeiten könnte einen bodenbedingten Zinkmangel bzw. Manganmangel in der ersten Jugendentwicklung indizieren, weil diese Mikronährstoffe im sauren Bereich besser verfügbar sind als im gekalkten.

Ziel soll es sein mit einer Kalkung die Bodenkrume zur Umgebungsluft offen (luftdurchlässig) zu halten und zum anderen den Jungwurzeln des Maises ein uneingeschränktes Mikronährstoffangebot zu gewährleisten.

 

  • Vorsaatkalkung für Hackfrüchte und Rüben

Grundsätzlich sind Böden vor diesen Kulturen lange unbedeckt und daher erosions- und verschlämmungsgefährdet und sollten daher schon von vornherein mit einer guten Kalkversorgung ausgestattet sein. Die Vorsaatkalkung dient auch hier wieder der Bodenkrume, welche die meisten „sauren Dünger“ verdauen muss, soweit abzupuffern, damit diese Säuren aufgefangen werden können und die Krümelaggregate nicht zerstört werden. Nur sie können die Bodenoberfläche offen halten. Auch hier genügen wieder Streumengen von 300 bis 800 kg/ha Mischkalk bzw. Branntkalk, am besten in mehlfeiner und damit kontaktfreudiger Form. Die Verteilung ist bei mehlfeinen Produkten besser als bei Granulaten, dementsprechend auch die Wirkung für die unmittelbare Kultur gegeben.

 

Die hygienische Wirkung von wasserlöslichen Kalken richtet sich vorwiegend gegen den Wurzelbrand und der Schwarzfäule bei Rüben, welche vor allem bei Boden-verdichtungen, Nässe und kalter Frühjahrswitterung auftreten. Auch die Rüben- und Zwiebelfäule ist eine Pilzerkrankung, welche vorwiegend auf strukturge-schädigten Böden und bei engen Fruchtfolgen auftritt.

 

Bei der Kartoffel hat eine Kalkung mit mehlfeinen Brannt- oder Mischkalken in erster Linie eine phytosanitäre Wirkung. Zusätzlich wird der Kalk beim Anhäufeln der Kartoffel gut in die Dämme eingemischt und hält diese offenporig. Eine Kartoffel-kopfkalkung reduziert auch die Schorfgefahr, weil die in der Fruchtfolge dadurch am größten ist.

 

 

Auch die Infektion durch die Kohlhernie – ein Steinpilz – der bei Raps und anderen Kreuzblütlern im Feldgemüsebau krebsartige Wucherungen hervorruft, wird am besten durch eine „Kalkung auf den Kopf“ reduziert. Bei Raps jedoch sollte die Kalkung schon unmittelbar vor dem Anbau im September oder im Spätherbst auf Kopf erfolgen, um das Auskeimen der Sporen zu reduzieren und vorher für Kohlhernie anfällige Böden gut mit Kalk versorgt werden.

 

Grundsätzlich bewirkt die phytosanitäre Wirkung einer Kalkung eine kurzfristige pH-Wert-Verschiebung an der Bodenoberfläche auf über pH 8. Dadurch wird das Pilzwachstum eingeschränkt.